Mein sind die Jahre nicht, die mir die Zeit genommen,
Mein sind die Jahre nicht, die erst noch werden kommen;
Der Augenblick ist mein und nehm ich den in acht,
So ist der mein, der Zeit und Ewigkeit gemacht.
(A. Gryphius)

Wir trauern um

Andreas Deuschle

* 7.November 1956    † 10. August 2003

Er ist durch einen tragischen Flugunfall mitten aus dem Leben gerissen worden.

Andreas hat mit seiner einzigartigen und typisch originellen Art den Posaunenchor ganz maßgeblich mitgeprägt und mit wertvoll gemacht. Wir sind traurig über diesen unfassbaren Verlust, aber auch dankbar, bei den vielen lebendigen und unvergesslichen Erinnerungen an ihn, dass wir ihn erlebt und gekannt haben.

Erinnerungen an Ande

Vielleicht tut es uns ja manchmal gut, wenn wir irgendwo einen Platz haben, an dem wir ganz für uns sein können, so wie wir sind und doch gleichzeitig merken, dass wir nicht alleine sind.

Vielleicht wecken die unten festgehaltenen Erlebnisse andere, weitere Erinnerungen an Ande.

Ande mochte keine Schwermütigkeit. In den Erinnerungen an ihn lebt seine Fröhlichkeit und sein Optimismus weiter. Vielleicht springt davon etwas auf uns über?

Ande und unser Ritter und der Papst

Da ich oft die selbe Stimme wie Ande spielte kam ich auf diese Weise oft in den Genuß, neben ihm sitzen zu dürfen. Wo Ande saß, da wurde viel und gern gekichert, ich hab mich dem nur seltenst entzogen...
Was mir immer wieder auffiel, war seine Begabung, mit wenig Worten und einem Schuß seines unnachahmlichen Humors eine ganze Horde zum Lachen zu bringen. Deshalb war ich in den Proben auch immer besonders gut aufgelegt, wenn Ande sich neben mich setzte. Eine spritzige Bemerkung in Richtung Dirigent (Ebbe) zum Beispiel konnte so lauten:“ Das find ich aber irgendwie voll dan-Ebbe“. als eventuell der Sopran mal wieder erst nach dem Baß gelobt wurde.
Egal wie, seine bildhaften Vergleiche die er anstellte, alle Metaphern die er schuf waren so passend und witzig, es war so schön. Ich erinnere mich an eine Kurrende (am 24. Dez), da schob eine Mutter ihr schlafendes Kind im Kinderwagen an uns Bläsern vorbei, kurz bevor wir in voller Lautstärke zu einem Weihnachtslied ansetzten. Beim ersten Ton war das Kind natürlich hellwach, mit den entsprechend weit aufgerissenen Augen und kerzengerader Sitzhaltung. Wir beide mußten so kichern und auf die Frage Anderer, die das nicht mitbekamen schilderte er den Gesichtsausdruck mit folgendem Vergleich: „Des Kend hot guckt, wia wenn de naachts em drui mit Fernlicht en Hennaschdall neifährsch...“
Ande konnte über seine und andere Faxen so ansteckend lachen, dass selbst manch alter Witz wieder zum Brüller wurde.
Sein Lachen ist nicht ganz einfach zu beschreiben:
Meistens begann es leiser mit hahaha, dann ging es mit seiner Kopfstimme auf hijjhiihii weiter und klang dann irgendwann aus. Es kam aber auch vor, dass er laut lachend auf den Tisch klopfte, danach kam erst das gewohnte hahaha, gekrönt vom falzettierten hijjhiihii.

Ich erinnere mich noch gut an unser letztes gemeinsames Konzert, Ende 2002.
Unser Programm war voll mit Stücken, die ziemlich "hohe" Ansprüche an unsere Lippen und Ansatz stellten. Erst gegen Ende des Konzerts kam jenes Zitter-/Ritterstück dran, welches uns oft eine rote Rübe bescherte. Wir konnten uns aber darauf verlassen, dass wir, solange wir noch Ansatz hatten uns gegenseitig aushalfen, damit jeder von uns ohne große Worte kurz die Lippen absetzen konnte, um gleich darauf dem "Ande"-ren auszuhelfen. Dementsprechend stolz waren wir aufeinander, als wir bei beiden Konzerten unsere Stimme vollständig spielen konnten. Dementsprechend ausfühlich klopften wir uns gegenseitig die Schultern.

Was mir an Ande stets auffiel war, dass er eigentlich immer Leute um sich hatte und dies mochte. Dass Ande 2001 in Flums, als wir dort an einem Abend die Rateshow "Wer wird Millionär" nachspielten, an jener Frage scheiterte, was der lateinische Beiname des Papstes "Pontifex Maximus" übersetzt bedeute, blieb mir im Gedächtnis. Daß Ande im Chor eigentlich selbst ein großer "Brückenbauer" war, wurde mir jetzt sehr deutlich:
Wo er auch im Anschluss an die Probe saß, bei ihm hielt sich jeder gern auf, egal welcher Altersgruppe er/sie angehörte. Dadurch fand automatisch auch ein reger Austausch zwischen den verschiedenen Generationen statt, der den Zusammenhalt des Chores stets bestärkte.

von Peter Gölz

Ande und die Wasserstraßen

Wenn ich in der Probe sitze und mein Wasser aus dem Instrument lasse, dann muss ich immer an Ande denken, weil er die Fugen am Boden entlang mit seinem Wasser ausgefüllt hat - also quasi 'ne Wasserstraße.

Ich hab die Fugen nie getroffen, da hat er nur gegrinst und es mir vorgemacht, wie es richtig geht. Das Bild von ihm, wenn er mich so anlacht, sehe ich vor mir.

Heute hätte er Geburtstag gehabt...

Mir fällt noch ein ganz wichtiger Satz aus einem Buch ein, das ich gelesen habe:

Ein Mensch ist erst tot, wenn man ihn vergisst.

von Susanne Haußmann